Für Eltern

Wie und wo man ein Instrument lernen kann

Musikschulen und Privatlehrer

In Deutschland gibt es etwa 1000 öffentliche Musikschulen, daneben noch weitere private. Außerdem gibt es eine große Anzahl sogenannter "Privatmusikerzieher", die ebenfalls Instrumentalunterricht anbieten. Für Kinder empfiehlt sich immer zunächst die Anmeldung in einer öffenlichen Musikschule, wo sie mit einer großen Zahl anderer Kinder zusammenkommen, die ebenfalls ein Instrument lernen. Insbesondere hat man dort in der Regel die Möglichkeit, auch direkt in einem Ensemble, also einem Orchester, Spielkreis oder einer Band mitzuwirken. Da "spielt die Musik", dort erlebt man, was es wirklich heißt zu musizieren. Die Unterrichtssituation ist nämlich nur die halbe Wahrheit. Erst mit anderen Gleichgesinnten und im Zweifel ohne Lehrer erleben sich Kinder (und auch Erwachsene) als Musiker. Im Unterricht ist man immer "Schüler", den Unterschied bemerkt man schnell, wenn man zum erstenmal mit anderen musiziert.

Öffentliche Musikschulen gehören in der Regel dem "Verband deutscher Musikschulen" (VdM) an, dieses Qualitätsmerkmal kann man vor der Anmeldung erfragen. Privatmusikerzieher und auch die meisten privaten Musikschulen haben oft nicht die Möglichkeit, den wichtigen Bereich des Ensemblespiels mit anzubieten. Gerade in ländlichen Gegenden gibt es noch die Möglichkeit, sich in einem Musikverein anzumelden. Hier steht das Ensemblespiel in der Regel an erster Stelle, jedoch wird der Instrumentaluntericht nicht immer von studierten Lehrern gegeben, es kommen auch Laien als "Ausbilder" zum Einsatz, die sich im günstigsten Fall durch Kurse an Musikakademien auf diese Aufgabe vorbereitet haben.

Welche Ausbildung kann (oder sollte) ein Lehrer haben?

Das Fach Saxophon ist in verschiedenen Studiengängen vertreten. Der günstigste ist der Studiengang "Instrumentalpädagogik" oder "Diplommusiklehrer" mit dem Hauptfach Saxophon. Durch die gerade laufende Studienreform ändern sich die Bezeichnungen, leider sind sie nun auch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Weniger günstig ist die Ausbildung des Lehrers zum Orchestermusiker. In diesen Studiengängen ist das Niveau des Hautfaches Saxophon in den Prüfungen etwas höher, allerdings fehlen die pädagogischen Anteile und das Unterrichtspraktikum, so dass der Lehrer zunächst "aus dem Bauch heraus" (oder aus der Hüfte?) unterrichten muss. Saxophon kann man mit klassischem oder mit Jazz-Schwerpunkt studieren, die Inhalte beider Schwerpunkte sind sehr unterschiedlich! Ein klassisch ausgebildeter Lehrer wird im Bereich Jazz in aller Regel nur die Grundlagen vermitteln können, genauso umgekehrt.

Des weiteren wird Saxophon von vielen Lehrkräften unterrichtet, deren eigentliches Hauptfach im Studium ein anderes war (z. B. Klarinette). Auch hier muss man seine Interessen mit dem Profil des Lehrers abgleichen. Ein klassisch ausgebildeter Klarinettist ist in seinem Nebenfach Saxophon möglicherweise ein schwacher Jazz-Lehrer. Aber auch hier gilt wie überall sonst: Von diesen Grundannahmen gibt es Ausnahmen. Es gibt durchaus gute Saxophonisten, die eigentlich klassische Klarinette studiert haben.

Man sollte wissen, dass die Nachfrage nach Unterricht nicht in jedem Instrumentalfach gleich groß ist. Daher müssen sich manche Lehrkräfte in anderen Fächern als ihrem eigenen Schüler suchen, um ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Das Saxophon bietet sich hier an, weil einerseits die Nachfrage seit vielen Jahren steigt und das Instrument andererseits als leicht erlernbares Zweitfach gilt. Allerdings fehlt solchen Lehrkräften dann in der Regel das Interesse an der Musik des Saxophons, weswegen sie ohne ausreichende eigene Klangvorstellung und Tiefe in der Sache unterrichten.

Weitere Studiengänge für Lehrer sind Schulmusik und Kirchenmusik. Insbesondere bei der Schulmusik ist das Niveau beim Hauptfach Saxophon oft niedrig, schließlich geht es bei diesem Studiengang darum, allgemeinen Musikunterricht zu erteilen. Als Kirchenmusiker kann man gar nicht das Fach Saxophon im Hautfach studieren, Lehrkräfte sind hier immer "Nebenfächler", für die das obenstehende gilt. Wer sich in ländlichen Gegenden in einen Musikverein begibt und dort möglicherweise von einem Laien unterrichtet wird, sollte genau hinsehen: Die Anbindung an ein lokales Orchester mit der Mitspielmöglichkeit und den Auftritten ist ein großes Plus! Wenn der Unterricht ein höheres Niveau erreicht oder der Schüler sich in eine andere musikalische Richtung entwickeln möchte, ist die Grenze erreicht, bei der man zumindest ergänzend eine weitere Lehrkraft mit Hochschulstudium hinzuziehen muss.

Ganz wichtig: Leider kann es insbesondere bei mangelhaft qualifizierten Lehrkräften zu grundlegend falschen Spieltechniken, Spielhaltungen, Klangvorstellungen usw. kommen. Diese dann wieder zu korrigieren ist langwierig. Leider ist man davor aber auch bei ausgebildeten Lehrkräften nicht ganz sicher, und beurteilen kann das nur ein Fachmann. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, nicht nur auf eine Aussage zu vertrauen, sondern immer mal wieder z. B. durch Workshops mit anderen Saxophonlehrern in Kontakt zu treten. Aber Vorsicht: Es gibt wie in jedem Fach auch hier Lehrmeinungen, die aufeinanderprallen können. Wenn der hinzugezogene Lehrer sich negativ äußert, sollte das mit dem eigentlichen Lehrer besprochen werden. Eine gute Lehrkraft wird über fast alle Details des eigenen Unterrichtes genau Auskunft geben können und erklären, warum der Schüler etwa den Ansatz so und nicht anders von ihm lernt.

In der Gruppe und im Einzelunterricht

Trotz langjähriger Erfahrungen mit Gruppenunterricht im Musikschulwesen ist dieses Thema immer noch ein wichtiges. Vor allem weil die Hochschulen ihren Studenten hier oft ein falsches Bild vermitteln. Vorweg: Ich selbst unterrichte seit vielen Jahren Gruppen- und Einzelunterricht, und zwar aus Überzeugung. Vor allem für Kinder im Grundschulalter ist der Gruppenunterricht die angemessene Unterrichtsform. Die Situation "ein Erwachsener unterrichtet alleine einen Zweitklässler" ist für viele Kinder unangenehm. Die Argumente, dass im Gruppenunterricht weniger vermittelt werden kann als im Einzelunterricht, treffen einfach nicht zu. Es gibt zahlreiche Gegenbeispiele in den verschiedensten Fächern. Allerdings ist es richtig, dass einerseits viele Lehrkräfte für den Gruppenunterricht nicht gut ausgebildet sind und andererseits auch die Musikverlage kein wirklich umfassend geeignetes Unterrichtsmaterial herausbringen. In Fächern wie Gitarre ist das anders, vermutlich weil das Thema dort schon viel länger bearbeitet wird und weil es viel mehr Gitarrenschüler als Saxophonschüler gibt, die solche Unterrichtsliteratur kaufen können.

Wichtig ist allerdings, dass die Lehrkraft mit Gruppenunterricht umgehen kann. Einer Lehrkraft, die Gruppenunterricht prinzipiell ablehnt, würde ich mein Kind nur im Einzelunterricht anvertrauen. Die Prozesse in Gruppen sind anders als im Einzelunterricht, der Unterricht muss anders vorbereitet werden, und nur wenn seitens der Lehrkraft die Bereitschaft besteht, sich didaktisch und methodisch darauf einzulassen, wird sich der Erfolg einstellen. Eine einfache Möglichkeit, sich einen Einblick zu verschaffen, besteht darin, sich vor der Anmeldung ein Schülerkonzert der betreffenden Lehrkraft anzuhören. Hieraus lassen sich schnell Rückschlüsse ziehen, und man kann dann auch über die Konzertbeiträge mit der Lehrkraft ins Gespräch kommen.

Ich empfehle meinen Schülern immer den Beginn in der Gruppe, später kommt dann auch der Einzelunterricht hinzu. Nach Möglichkeit sollte parallel in einem Ensemble gespielt werden. Für ältere Schüler oder Erwachsene kommt oft nur der Einzelunterricht in Frage, weil die Zusammenstellung einer Gruppe von ähnlich alten Schülern mit ähnlichen Interessen aus organisatorischen Gründen immer schwieriger wird. Das typisch Einstiegsalter ist inzwischen nach der "Musikalischen Früherziehung" oder nach der "Musikalischen Grundausbildung", also im ersten bis dritten Schuljahr. In diesem Alter finden sich durch die Anzahl der Anmeldungen schnell Gruppen zusammen. Wenn sich darüber hinaus noch ein zwöfjähriges Mädchen, ein siebzehnjähriger Junge und eine Erwachsene anmelden, würde ich diese Konstellation nicht in einer Gruppe zusammenfassen, sondern Einzelunterricht empfehlen. Wenn ich Schüler unterschiedlichen Alters gut kenne, fasse ich diese dann gelegentlich doch wieder in eine Gruppe zusammen. 

Übergangsinstrumente

Auch das ist eigentlich "ein alter Hut": Natürlich kann man in fast jedem Alter direkt mit dem Saxophon beginnen. Ich habe bereits Kinder im Vorschulalter auf gebogenen Sopransaxophonen erfolgreich unterrichtet. Das Altsaxophon kann man ab etwa der zweiten Klasse benutzen. Die Schwierigkeiten, die durch das relativ zum Kind große Instrument entstehen, lassen sich alle methodisch bewältigen. Auch der Zahnwechsel der Kinder ist in meiner Unterrichtspraxis noch nie ein ernsthaftes Problem gewesen.

Trotzdem empfehlen viele Lehrkräfte und auch Musikschulen, dass man zunächst mit der Blockflöte oder der Klarinette beginnen soll, um dann zum Saxophon zu wechseln. Diese Praxis aus zurückliegenden Jahrzehnten ist zwar eigentlich überholt, wenn sie jedoch den regionalen Gepflogenheiten entspricht, würde ich dies zumindest in Betracht ziehen. Schließlich deuten solche Aussagen darauf hin, dass die Lehrkräfte keine Erfahrung mit dem frühen Beginn auf dem Saxophon haben. Wenn in der Region die Möglichkeit des frühen Beginns direkt auf dem Saxophon besteht, ist das in jedem Fall vorzuziehen. Eine Blockflöte oder eine Klarinette sind völlig andere Instrumente als ein Saxophon, sie klingen anders, haben andere Schwierigkeiten, mit denen man sich auseinandersetzen muss und halten Schüler im ungünstigsten Fall nur davon ab, sich mit ihrem tatsächlichen Wunschinstrument Saxophon auseinanderzusetzen.

Wenn ein Übergangsinstrument gewählt werden muss, empfehle ich die Querflöte! Dieses Instrument ist grifftechnisch mit dem Saxophon eng verwandt. Der Ansatz ist jedoch verschieden genug, so dass der Schüler später den Ansatz des Saxophons vorurteilsfrei neu erlernen kann.

Wie findet man einen geeigneten Lehrer?

Den richtigen Lehrer oder die richtige Lehrerin zu finden, ist für einen Anfänger nicht leicht. Vor allem ist für ihn die Qualität nur schwer einzuschätzen. Der nette, kumpelhafte Studententyp ist auf den ersten Blick vielleicht symphatisch, aber der etwas strengere, erfahrene Kollege hat möglicherweise einen gut ausgebildeten Schülerstamm. Hat er diese Schüler, weil er schwächere Anfänger nicht lange unterichtet und zur Abmeldung (de-)motiviert? Oder hat er so viele gute Schüler, weil er auch leistungsschwächere Kinder motivieren kann, regelmäßig zu üben? Es gibt aus meiner Erfahrung kein eindeutiges Kriterium, das von außen zu beurteilen. Also würde ich dem ersten Eindruck trauen,  dann aber mit dem Lehrer im Gespräch bleiben und die Dimensionen Spaß und Leistung ausbalancieren. Nach einiger Zeit ist nämlich ohne Leistungsaspekte der Unterricht langweilig, das heißt, der Spaß leidet auch, wenn die Leistung fehlt.

Inzwischen gibt es groß angelegte Musikalisierungsprogramm wie das "MoMo - Monheimer Modell Musikschule für alle!" und das Programm "Jedem Kind ein Instrument" im Ruhrgebiet. Dabei wird der Instrumentalunterricht in die Arbeit der Grundschulen integriert. Häufig wird dabei allerdings eine Auswahl an Instrumenten vorgegeben, und dabei fehlt dann möglicherweise wie beispielsweise im Ruhrgebiet das Saxophon. In weiterführenden Schulen werden inzwischen Musikalisierungsprogramme in Form von z. B. "Bläserklassen" und "Streicherklassen"angeboten, bei den Bläserklassen ist in der Regel auch das Fach Saxophon implementiert. Durch diese Programme bekommen Kinder und Jugendliche ihren Unterricht im Schulzusammenhang, was viele Vorteile hat. Allerdings muss man so immer mit dem Lehrer zusammenarbeiten, der in dem jeweiligen Programm unterrichtet und kann sich die Lehrkraft nicht aussuchen.

Wenn der nicht durch diese Programme oder eine Musikschule nicht direkt zum Kind kommt oder man selbst schon zu alt ist (schließlich kann man auch als Erwachsener noch ein Instrument lernen), bleiben als Kontaktbörse noch das Internet, der regionale Musikalienhändler und Empfehlungen von anderen Amateurmusikern und Eltern.

 


 

 

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